Arbeit 4.0 in der Praxis: Weniger Prozess, mehr Mensch

Als junge Kommunikationsagentur und Unternehmensberatung ist Digital Teil unserer Unternehmens-DNA. Wir bei JUNGMUT setzen uns tagtäglich mit digitalen Trends, Technologien und Tools auseinander. Für unsere Kunden, aber auch für unsere eigene Organisationsentwicklung, beschäftigen wir uns regelmäßig auch mit der digitalisierten Arbeitswelt. Ein Thema, das aktuell besonders den deutschen Mittelstand vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels umtreibt.

Von der Dampfmaschine zur Digitalisierung

Um besser nachzuvollziehen, was in diesem Bereich derzeit passiert, ist ein kurzer Exkurs in die Industrielle Revolution hilfreich. In der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende wurde das Zeitalter der industriellen Massenproduktion eingeläutet. Statt der individuellen Fertigung in kleinen Handwerksbetrieben wurde die Arbeit tayloristisch in kleine, standardisierte Schritte unterteilt und mit Hilfe von Maschinen und Fließbändern so effizient wie möglich umgesetzt. Das Ideal der Arbeit orientierte sich an der Maschine: Arbeitskräfte mussten planbar, beherrschbar und ersetzbar sein. Effizienzgewinne wurden vor allem in die Erhöhung der Produktivität reinvestiert.

Etwas mehr als ein Jahrhundert später befinden wir uns nun mitten in der nächsten Revolution, der Digitalen Transformation. Heute sind die Industriearbeiter in vielen Bereichen durch Roboter abgelöst worden. Computer und das Internet haben die Arbeitswelt stark verändert. Innovative Internet-Startups wachsen rasant und werden innerhalb von wenigen Jahren zu hochbewerteten Unternehmen an der Börse. In diesem Zeitalter der Wissensarbeiter kann Arbeit in vielen Bereichen nicht mehr standardisiert und in kleine Einheiten unterteilt werden, die Bedeutung des einzelnen Mitarbeiters in der Organisation nimmt zu. Die Innovationskraft von Unternehmen drängt die Effizienz als wichtigsten Erfolgsfaktor zurück.

Digitale Infrastruktur ermöglicht Arbeit 4.0

Auch die technische Infrastruktur für Wissensarbeiter hat sich in den letzten Jahrzehnten radikal geändert. Laptops, Smartphones und Tablets sowie mobiles Internet ermöglichen in vielen Bereichen ortsunabhängige Arbeit. Daten lassen sich einfach „in der Cloud“ ablegen, Software kann über den Webbrowser als Service gemietet werden. Neue Projektmanagement- und Kollaborations-Tools lassen die Online-Teamarbeit immer reibungsloser werden und sorgen für eine schnelle Abstimmung über ehemalige Hierarchiegrenzen hinweg.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Führung eines Unternehmens, gerade wenn es – wie JUNGMUT – eine besonders kreative und innovative Dienstleistung erbringen muss? Die Hierarchiepyramide muss umgekehrt werden. Die Geschäftsleitung dient den Mitarbeitern und nicht anders herum. Statt mit Autorität und Kontrolle zu arbeiten, sollte sie Mitarbeitern ermöglichen, ihr Potential zu entfalten. Hierzu muss sie davon ausgehen, dass Mitarbeiter etwas leisten wollen und intrinsisch motiviert sind. Dabei unterstützt die Führung eine selbstverantwortliche Arbeitsweise, Mitarbeiter sollen über sich selbst hinauswachsen können. Arbeitnehmer suchen heute Autonomie, Kompetenz und Sinn bei der Wahl ihres Arbeitgebers.

So arbeiten Digital-Teams

Im Arbeitsalltag macht sich das folgendermaßen bemerkbar: Im Team herrscht eine flache Hierarchie. Die Mitarbeiter duzen sich untereinander. Projektteams werden flexibel nach Kompetenzen und Verfügbarkeit zusammengestellt. Berater, Designer, Programmierer und andere Kreative verplanen sich dabei entweder selbst auf die Projekte oder überlassen dies wahlweise den Projektmanagern. Trainees erhalten einen fachlich passenden Betreuer. Regelmäßig nehmen Teammitglieder an Konferenzen oder Schulungen teil. Wer eine Fortbildung besucht hat, präsentiert die wichtigsten Erkenntnisse danach im Büro in lockerer Runde den übrigen Kollegen.

Für innovative und kreative Unternehmen ist das Arbeitsklima besonders wichtig. Die oftmals jungen Mitarbeiter verbringen häufig deutlich mehr als nur die Arbeitszeit miteinander, viele sind miteinander befreundet. Es ist keine Seltenheit, dass im Büro bei Kaltgetränken gemeinsam Serien geschaut werden oder gespielt wird. So verschwimmt durch die Digitalisierung die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben mit allen Vor- und Nachteilen. Mitarbeiter tragen somit eine größere Eigenverantwortung bei der Gestaltung ihres (Arbeits-)Lebens. Bei Neueinstellungen lassen wir Bewerber gerne ein bis zwei Tage probearbeiten, damit möglichst viele Teammitglieder die Kandidaten kennenlernen. Sollte jemand aus unserem Team das Gefühl haben, dass es nicht passt, kann gegen die Einstellung ein Veto eingelegt werden. Unterstützt wird das Teamgefühl bei uns zusätzlich durch regelmäßige Events, wie zum Beispiel gemeinsame Ausflüge.

Neben dem wöchentlichen „Weekly Crunch“, bei dem jeder Mitarbeiter seine Wochenplanung vorstellt, findet die Teamkommunikation hauptsächlich in kurzen Projektmeetings sowie Chat- und Ticket-Systemen statt. E-Mails schreiben wir nur an Externe, beispielsweise an Kunden oder Partner. In manchen Fällen sind aber auch diese bereits an unsere Systeme angeschlossen und kommunizieren auf „kurzem Wege“ mit uns. Dies ist besonders wichtig, da wir über verschiedene Standorte hinweg arbeiten: In unserem Fall hat JUNGMUT Communication den Sitz in der Medienstadt Köln, während JUNGMUT Consulting in der Nähe von Startup-Szene und Politik in Berlin sitzt. Auch bieten wir unseren Mitarbeitern eine Homeoffice-Regelung, sodass sie nach Wunsch oder wenn einmal ein Handwerker kommt flexibel von zu Hause arbeiten können. So ist bei nahezu jedem Projektmeeting mindestens ein Mitarbeiter per Videostream zugeschaltet.

Rahmenbedingungen in Deutschland verbesserungswürdig

Interessant wird es, wenn diese neue Arbeitswelt auf Regulierungen mit dem Mindset der Industrialisierung trifft. So ist unser Modell von Arbeit beispielsweise flexibler, als es die Dokumentationspflicht zum Mindestlohngesetz und das Arbeitszeitgesetz vorsehen. Oder auch wenn zukünftig Arbeitgeber sicherstellen sollen, dass Arbeitsplätze auch außerhalb des Büros normgerecht ausgeleuchtet sind. Vielleicht muss der Mitarbeiter dann zukünftig, bevor er im Café seinen Laptop öffnet, zunächst ein geeichtes Lichtmessgerät verwenden.

Wir glauben, dass die neue Arbeitswelt voller positiver Entwicklungen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist. Insbesondere der in Deutschland einzigartige Mittelstand könnte hiervon profitieren. In vielen Unternehmen steckt die Digitalisierung jedoch noch in den Kinderschuhen. Auch die gesetzlichen Vorgaben orientieren sich noch stark an den Herausforderungen der Industrialisierung. Die Digitale Transformation fördert, dass das Potential des einzelnen Mitarbeiters und die Innovationskraft des Unternehmens im Vordergrund stehen. Weniger Prozess, mehr Mensch – das ist für uns Arbeit 4.0.

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Autor/in

David Lehmann JUNGMUT Profil

David Lehmann studierte Leadership in Digitaler Kommunikation an der Universität der Künste…

Kommentare

  1. / von INJELEA-Lesenswertes 17. Mai 2015 - INJELEA Blog

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