#wirfürHannes

Heute beherrschte in Deutschland ein Hashtag auf Twitter: #wirfürHannes“. Viele Menschen in den sozialen Medien waren perplex, dass in ihrer Timeline mit diesem Hashtag immer wieder ein Mensch auftauchte, von dem sie zuvor noch nie gehört hatten.

#wirfürHannes stand für die Suche nach Johannes Korten, der über seinen Blog und Twitter heute Morgen mitteilte, dass er des Lebens müde sei – und es dann beendete. Johannes Korten war Autor u.a. auf unserem Blog. Wir sind schockiert und sehr traurig.

Ich habe heute immer wieder versucht, mich in die Köpfe der Menschen, die Johannes nicht kannten, hinein zu versetzen. Sie werden sich sicher gefragt haben, wieso das soziale Netz in Deutschland heute durch einen Namen einer Person bestimmt wird, die kein Politiker, bekannter Musiker oder Sportler gewesen ist. Sie werden sich sicher gefragt haben, was dieser Mann geleistet haben muss, dass ihm durch so viele Menschen Mitgefühl und positive Emotionen entgegen gebracht wird.

Vor etwa 5 Jahren bin ich Johannes zum ersten Mal begegnet. Wir saßen auf einem Podium und diskutierten miteinander Fragen der Unternehmenskultur; wie Unternehmen mit den Menschen, die in ihnen arbeiten, umgehen, wie Arbeitnehmer authentisch bleiben können, wie dieselbe Augenhöhe zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hergestellt werden könnte.

Diese Panels werden eigentlich stets von Menschen besetzt, die auf der Bühne eine Rolle einnehmen, eine Rolle, die von ihnen erwartet wird, da sie das Unternehmen oder die Institution XY vertreten. Da er für eine Bank gearbeitet hat, erwartete ich auch von ihm die Rolle des Bankenvertreters. Dann aber sprach da plötzlich der Mensch Johannes. Johannes war ganz er selbst. Das hat mich unmittelbar und tief beeindruckt.

Dem Menschen Johannes bin ich dann die folgenden Jahre über Facebook und seine Blogbeiträge gefolgt. Immer wieder haben mich seine zutiefst menschlichen Einwürfe zu verschiedenen Themen beeindruckt. Johannes hatte die Gabe, seine Perspektiven immer sehr bildlich und genau beschreiben zu können. Johannes versteckte sich nicht (wie viele von uns) hinter seiner Rolle (als Bankmitarbeiter), es gab immer die ungefilterten und ungeschützten Gedanken des Menschen Johannes zu lesen. Er schrieb aber nicht nur über seine Mitmenschen, er handelte auch in ihrem Sinne. Johannes half im letzten Jahr einer in Not geratenen Familie unter dem Hashtag #EinBuchfürKai, indem er sich über Wochen hinweg in den Medien engagierte.

Ich fragte Johannes im letzten Jahr, ob er nicht einen Beitrag für diesen Blog schreiben wolle; er wählte das Thema Vereinbarkeit. Der Text wurde zum erfolgreichsten Beitrag im Zuge des BarCamps. Die Erklärung liegt auch hier auf der Hand. Erneut war es der Mensch Johannes, der über Probleme schrieb, die uns alle bewegen. Er nahm uns mit auf seine Reise dahin, wir er sich Vereinbarkeit vorstellte.

Zuletzt unterstützte Johannes eine Kampagne für eine Knochenmarkspende in unserem Freundeskreis.

Diese drei Beispiele, die nur stellvertretend für das Wirken von Johannes stehen, sollen Lesern, die Johannes nicht kannten, eine Erklärung dafür geben, was für ein Mann er war. Warum so viele Menschen heute Vormittag gebangt und versucht haben, ihn zu finden. Ihm Hilfe angeboten haben und ihn davon überzeugen wollten, nicht aufzugeben.

Johannes hatte immer ein offenes Ohr für sein Gegenüber, hatte immer Bereitschaft zur Hilfe signalisiert. Vielleicht war ist diese Bürde zu schwer geworden. Ich bin mir nicht sicher, ob unsere Ohren für ihn offen genug waren, ob wir, die wir ihn gekannt haben, alles getan haben, um auch ihm zu helfen.

Die Welt hat einen tollen Menschen verloren. Wir werden ihn vermissen.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

 

Das Projekt-Team „Zukunft der Arbeit“

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Autor

Ole Wintermann E-Mail: Nachricht schreiben Facebook Twitter Google+ Website: bertelsmann-stiftung.de Profil

Dr. Ole Wintermann hat für die Bertelsmann Stiftung die Plattform Futurechallenges.org aufgebaut.…

Kommentare

  1. / von Ein Dank an Johannes und was zu Vorbildern, Depression und Achtsamkeit - Tales from the Mac Hell

    […] dazu im Netz gab, dann wars Johannes, denn er war diesbezüglich durchaus präsent. Darüber haben andere besser geschrieben, an der Stelle nur, dass es mir oft und viel zu denken gab, was er im Netz initiierte und […]

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