Futurale Filmfestival Arbeiten 4.0 – Von Robotern, digitalen Nomaden und der Überwindung von Bullshitjobs

Collage: Alexandra Schmied
Collage: Alexandra Schmied

V.L.n.R von oben: David Hammen, Leonie Müller, Sandra Wilms, Christina Zweigle, Jan Westerbarkey, Alexandra Schmied, Sandra Causemann, Sebastian Borek

In diesem November war das Filmfestival Futurale zu Gast in Gütersloh. In sechs Veranstaltungen stellten sich 18 Experten aus der Region der Diskussion mit den Zuschauerinnen und Zuschauern. Spannende Themen kamen zur Sprache. Wie wollen wir in Zukunft (zusammen) arbeiten? Funktionieren alte Organisationsformen in einer digitalisierten Welt? Wollen wir Roboter in unserem zu Hause willkommen heißen? Für Viele waren die Filme ein Weckruf. Es wurde deutlich, dass wir nicht über „Zukunftsmusik“ sprechen, sondern über grundlegende Veränderungen, die bereits stattfinden und fortdauern werden.

Gestartet ist die Futurale mit dem Film „Silicon Wadi“. Er beschreibt den Weg dreier Startups aus Israel auf ihrer Suche nach Inverstoren. Die anfängliche Begeisterung, die Ernüchterung, die tägliche Sorge ums Geld, zerbrechende Freundschaften und schließlich die eine zündende Idee, die den Erfolg brachte – all das wurde in der Dokumentation sehr eindrücklich beschrieben. Keine schönen Hochglanzbilder, sondern die nackte Realität. In den anschließenden Gesprächen des Publikums drehte es sich immer wieder um die Frage, wie die Erfolgsfaktoren eines gelungenen Startups aussehen und wie sich Startup-Willige rüsten sollten, um in dem Geschäft nicht unterzugehen.

Collage: Alexandra Schmied
Collage: Alexandra Schmied

V.L.n.R von oben: Marcel Höcker, Ole Wintermann, Art De Geus, Ulrike Bentlage, Helena Ernst, Katja Plock, Cora Causemann, Thomas Seim, Thorsten Wagner

Im nächsten Film lernten wir die Welt der „Digitalen Nomaden“ kennen. Befreit von allen Zwängen fühlen sie sich überall zu Hause, wo sie Wlan-Zugang haben. Es klingt verlockend, sich den Tag und die Arbeit selbst einteilen zu können – ganz ohne jegliche Verwaltungszwänge. Und: Wer hat nicht schon davon geträumt unbegrenzt durch die Welt reisen zu können und das dann auch noch Arbeit nennen zu dürfen? Uns etwas Älteren mit Familienpflichten drängten sich aber bereits während des Träumens viele Fragen auf. Was ist, wenn ich krank und pflegebedürftig werde? Was ist mit meinen Eltern, wenn sie mich brauchen? Kann man Kinder auf so einen Weg wirklich mitnehmen? Diese Fragen lässt der leider Film offen.

Der Film „Print the Legend“ entführte uns dann erneut in die Welt der Startups und Tüftler. Wir lernten MakerBots und Formlabs kennen und damit auch zwei völlig unterschiedliche Wege zum Erfolg. Die Fragen die immer mitschwangen waren: Wie sehr muss man sich selbst und seine Werte aufgeben, um mit den ganz Großen mitspielen zu können? Wie geht man mit einem Produkt im Erfolgsfall um, dass unter Open-Source Regeln entwickelt wurde? Und wie sieht es eigentlich mit der Haftung aus?

„Mein wunderbarer Arbeitsplatz“ führte uns dann die Folgen der zunehmenden Misstrauenskultur vor Augen. Das Erstarren in stetig wachsenden Kontrollstrukturen und die Lähmung jeder Kreativität durch die Schaffung von „Bullshitjobs“. Wer kennt das nicht? Wie ein Licht am Ende des Tunnels nahm man dankbar die Beispiele einiger mutiger Betriebe in Frankreich und eines Ministeriums in Belgien auf. Sie zeigten wie die Überwindung veralteter hierarchischer Führungs- und überflüssiger Kontrollstrukturen als Blaupause für moderne Formen des Zusammenarbeitens dienen können.

Im Letzten Film „Ick bin Alice“ menschelte es dann. Und das, obwohl die Hauptfigur ein Roboter namens Alice war. Urängste wurden adressiert und jeder fragte sich: Wie möchte ich leben, wenn ich alt und einsam bin? Möchte ich einen Roboter als unterstützenden Gefährten in mein zu Hause lassen? Viele ältere Zuschauerinnen und Zuschauer konnten es sich nach den ermutigenden Beispielen in der Dokumentation sehr gut vorstellen. Insbesondere weil deutlich wurde, dass Roboter das pflegende Personal nicht ersetzen, sondern nur unterstützen können.

Wir in Gütersloh haben das Filmfestival als sehr anregend erlebt. Nicht nur die 18 Panelgäste diskutieren angeregt – nein, Gespräche wurden auch im Nachgang auf dem Nachhauseweg unter Freunden, Arbeitskollegen oder in den Familien fortgesetzt. Besonders beeindruckt waren wir von den ersten Gehversuchen junger Gütersloher Jugendlicher als YouTuber. Neben dem offiziellen Futuralefilm „Please Subscribe“ haben wir damit nun ein wunderbares Beispiel von Nachwuchs-YouTubern aus unserer Region.

Für alle, die Interesse haben: den Film „Meine Arbeit. Mein Leben“ kann man noch in voller Länge in der WDR Mediathekt ansehen.

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Alexandra Schmied Senior Project Managerin Bertelsmann Stiftung E-Mail: Nachricht schreiben Facebook Twitter Profil

Alexandra Schmied ist als Senior Project Managerin in der Bertelsmann Stiftung tätig.…

Kommentare

  1. / von Ab auf den Merkzettel: Futurale Filmfestival zu Gast in Güterloh vom 3. bis 6. November 2016 - Sandra Wilms

    […] 03. Dezember 2016: Auf dem Blog der Bertelsmann Stiftung, der sich mit der Zukunft der Arbeit beschäftigt, gibt es eine schöne Zusammenfassung zum […]

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