Warum die Digitalisierung im Mittelstand nur mit einer neuen Arbeitskultur gelingen kann.

Heute findet die Konferenz “Work Awesome” zur Zukunft der Arbeit statt, die wir in den letzten Wochen bereits mit einigen Podcasts im Vorwege begleitet haben. Die Konferenz kann am heutigen Tag über den folgenden Live-Stream komplett verfolgt werden. Wir veröffentlichen hiermit zugleich auch eine (aus unserer Sicht) spannenden Kurz-Studie, auf deren Inhalte der folgende Text eingeht.

 

 

Die Debatte um Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit scheint oft von der Perspektive der Großunternehmen dominiert zu sein – doch ob der tragenden Rolle des Mittelstands (KMU) in der hiesigen Wirtschaft ist es mindestens genauso wichtig, sich mit den Entwicklungen hier zu beschäftigen. Mit dem vorliegenden Whitepaper  bringen wir zu dieser Thematik nun einen Impuls in den Diskurs ein, der vor allem eins vor Augen führt: Wenn sich der Mittelstand erfolgreich der Digitalisierung stellen will, sie gar erfolgreich als Chance nutzen und gestalten will, ist noch viel zu tun. Der Schlüssel dazu ist eine neue Arbeitskultur.

Hintergrund und Basis des Whitepapers: Metastudie und Interviews

2015 zeigte die erste – ebenfalls von Kantar-TNS im Auftrag der Bertelsmann Stiftung durchgeführte Meta-Studie auf, dass der Mittelstand in Deutschland die Potenziale der Digitalisierung noch nicht in der Breite erkannt hatte und daher auch in der Umsetzung noch weit davon entfernt war, sie wirklich nutzen zu können. In den nächsten Wochen wird die neue Version dieser Studie vorliegen, die sich mit den Veränderungen seit 2015 beschäftigt. Im wesentlichen basiert das vorliegende Paper aber auf einer Reihe von bis zu 5-stündigen Interviews mit Führungskräften (überwiegend) im Mittelstand, die uns unter Zusage der Anonymität ihre persönlichen und unternehmerischen Einschätzungen zu dem Thema offenbart haben. Die Bandbreite der KMUs reichte dabei von digital affinen Vorreitern bis zu traditionellen Unternehmen. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse lassen keinerlei Rückschlüsse auf die Befragten zu. Vielmehr haben wir uns auf eine Zuspitzung der Ergebnisse konzentriert, um einen digitalen Weckruf an weite Teile des deutschen Mittelstandes zu senden.

Vier Thesen zur Zukunft von Digitalisierung und Arbeit im Mittelstand –  im Zentrum steht die Notwendigkeit einer neuen Arbeitskultur

These 1: Die Digitalisierung im Mittelstand schreitet voran – aber nach wie vor viel zu langsam.

Obwohl der Mittelstand in Bezug auf die Digitalisierung im Vergleich zu den Großunternehmen seit 2015 aufgeholt hat, besteht weiterhin ein erheblicher Nachholbedarf. Auf der einen Seite fehlen beispielsweise oft der Wille und die Überzeugung, auf der anderen Seite das Vertrauen in die Mitarbeiterinnen. Häufig wird gar nicht erkannt, dass man auf dem “digitalen Auge” blind ist, da keine eigene digitale Kompetenz vorhanden ist.

These 2: Die Digitalisierung erfordert ein Umdenken weg von der industriell-linearen Produktionslogik.

Allzu häufig wird Digitalisierung noch verstanden als neue Möglichkeit zur Effizienzsteigerung, zu Einsparungen, zur inkrementellen Innovation oder neuen Kundenschnittstellen. In der Tat jedoch stellt Digitalisierung die alten Regeln und Prinzipien des Wirtschaftens und Arbeitens nicht nur in Frage, sondern zu großen Teilen durch qualitative Entwicklungssprünge auf den Kopf. Sie erfordert damit ein grundlegendes Umdenken: weg von der industriellen, hin zur neuen “digitalen Logik”. Der Verweis auf die Tradition eines KMU reicht zukünftig jedoch nicht mehr aus, um am Markt zu bestehen.

These 3: Die Digitalisierung muss auf oberster Ebene und mit einer ganzheitlichen Strategie in die Hand genommen werden.

Solange es bei vereinzelten Initiativen bleibt, die oft noch auf Widerstände vor allem des mittleren Managements treffen, wird es zu keinen großen Fortschritten kommen. Für eine erfolgreiche Transformation braucht es eine klare Positionierung und vor allem auch eine eigene digitale Kompetenz der obersten Führungskräfte, damit das gesamte Geschäft mit Hilfe einer übergeordneten Strategie auf eine digitale Welt zugeschnitten werden kann. Was aber nicht erwartet werden kann, ist “die” eine Blaupause. Jedes Unternehmen hat andere Voraussetzungen für eine erfolgreiche digitale Transformation.

These 4: Die Digitalisierung erfordert und ermöglicht eine neue Arbeits- und Lernkultur.

Es braucht eine andere Grundhaltung der Art des Arbeitens gegenüber – ein digitales Mindset, das mit der neuen Arbeitskultur Hand in Hand geht, die von Dezentralisierung, Enthierarchisierung und Flexibilisierung geprägt ist. Zudem erfordern die neuen Arbeitskulturen und vor allem auch die neuen Geschäftsmodelle andere, zunehmend informell erworbene Kompetenzen, die in die Unternehmen geholt werden bzw. dort mit neuen Lernformen aufgebaut werden müssen.

Gerade diese letzte These bringt auf den Punkt, was aus unserer Sicht der Schlüssel ist für weitere Fortschritte der Digitalisierung im Mittelstand: eine mutige Implementierung und Umsetzung von neuen Arbeitskulturen. Die Tabelle zeigt auf, was diese neuen Arbeitskulturen – prototypisch – ausmacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Autoren

Cornelia Daheim Founder Future Impacts Telefon: 0221 95 260 914 E-Mail: Nachricht schreiben Twitter Website: future-impacts.de Profil

Cornelia Daheim, Future Impacts, beschäftigt sich seit 2000 als beratende Zukunftsforscherin mit der Zukunft, seit 2015 mit dem eigenen Unternehmen Future Impacts Consulting. Zu ihren Kunden gehören z. B. Aktion Mensch, Evonik oder das Europäische Parlament; viele ihrer Projekte beschäftigen sich mit der Zukunft der Arbeit. Sie leitet zudem den German Node des Zukunftsforschungs-Think-Tanks „The Millennium Project“, das jährlich den „State of the Future Report“ veröffentlicht, und ist Co-Autorin der Studie “Arbeit 2050".

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