Fehlerkultur: Was erfolgreiche Unternehmen wirklich anders machen

Seien wir ehrlich, niemand versagt gerne. Versagen tut weh. Am meisten trifft es dabei unser Ego. Kein Wunder, dass so viele Menschen alles daran setzen, um ja keine Fehler zu machen. Aber wenn Sie sich die Menschen ansehen, die etwas erreicht haben, dann werden Sie schnell erkennen, dass jeder von ihnen Fehler gemacht hat. Und zwar viele. Aber was machen sie eigentlich anders?

 

 „Erfolg ist das eine Prozent deiner Arbeit, das aus 99 Prozent Fehlern entsteht.“

Sochiro Honda, Gründer von Honda

Fehler können mitunter zu richtig viel Geld und sogar zu Nobelpreisen führen

Denn hätte Alexander Fleming beispielsweise in seinem Labor nicht eine verunglückte Versuchsanordnung unters Mikroskop gelegt, anstatt sie wie sonst einfach zu entsorgen, wäre das Penizillin wohl nicht erfunden worden. Bei Pfizer hat das Versagen auf der Suche nach einem Mittel gegen Bluthochdruck zu einem der einträglichsten Medikamente geführt: Viagra. Auch die Post-It-Note waren das Ergebnis eines fehlgeschlagenen Experiments. Eigentlich sollte ein Klebstoff entwickelt werden.

All diese Misserfolge, Fehltritte und Ausrutscher waren wichtige Schritte auf dem Weg zum Erfolg. Und trotzdem leben so wenige Organisationen eine Kultur, in der die Fähigkeit zu versagen oder zu experimentieren ein wichtiger und auch geschätzter Teil ihrer Innovationskultur ist.

Experimentieren ist dabei Teil des Lernprozesses

Innovationen entstehen, wenn wir das Risiko in Kauf nehmen, Fehlschläge zu erfahren. Die Universität Hohenheim hat mittels eines online Fragebogens rund 2.030 Menschen im Alter zwischen 18 und 67 Jahren zu ihrer Einstellung rund um Risiko befragt. Alleine 42% der TeilnehmerInnen gaben an, dass man kein Unternehmen gründen sollte, wenn das Risiko zu scheitern bestehen würde. Das Problem dabei: Ein Risiko besteht immer. (Zur Studie)

Das bedeutet aber nicht, dass ein Versagen an sich automatisch zu Innovationen führt. Wichtig ist, wie Sie mit einem Misserfolg umgehen. Anstatt eine fehlgeschlagene Initiative aufzugeben, können Sie an Ihrem Angebot, Ihrem Produkt oder Ihrem Service dranbleiben, weiter ausprobieren und es nach und nach verbessern. Dazu müssen Sie allerdings in der Lage sein, die Dinge zu hinterfragen, zu verstehen und daraus zu lernen, was schiefgegangen ist.

Die online Befragung ergab weiters, dass 80% der Befragten einem Misserfolg durchaus etwas Positives abgewinnen können. Letztlich wäre es eine gute Quelle zur Selbstreflexion und könne so zu positiven Ergebnissen führen. Allerdings gilt dieses Denken nur für Fehlschläge anderer, nicht für die eigenen.

Versagen als Tabuthema

Die Bedeutung, die in der Gesellschaft generell mit dem Wort „Versagen“ verbunden ist, ist äußerst negativ besetzt. Selbst das Nachdenken über Fehler ist oftmals tabu. Menschen reagieren sehr stark auf das Wort „Versagen“. Erst wenn wir uns erlauben, über Ideen und Hindernisse zu deren Umsetzung nachzudenken, haben wir die Möglichkeit, innovativ zu agieren. Denn eine Idee alleine ist nichts wert, wenn Sie sie nicht umsetzen. Wenn in Ihrem Unternehmen eine kreative Kultur herrscht, dann gibt es keine Lücke zwischen Denken und Handeln.

Organisationen erklären häufig, dass sie experimentierfreudig sind. Die Realität ist jedoch, dass diese Art von Experimenten von einzelnen Personen extrem abhängig sind. Wenn diese dann versagen, zahlen sie oft einen sehr hohen Preis. Das ist natürlich abschreckend auf die eigene und die Motivation der Kollegen.

Eine Studie der California School of Professional Psychology zeigt, dass, wenn Führungskräfte ihrer Wut, Frust oder Ärger über eine Situation freien Lauf ließen, die Risikobereitschaft der Mitarbeiter sank. Aber nicht nur das, sie waren auch weniger kreativer und machten in der Folge sogar noch mehr Fehler.

Pivoting im Silicon Valley

In der Startup-Community im Silicon Valley wird das Wort Fehlschlag durch das Wort Pivoting ersetzt. Damit ist die notwendige Anpassung einer Strategieausrichtung, wobei nicht die Unternehmensvision nicht in Frage gestellt wird. Auslöser für ein Pivoting können Kundenfeedbacks, Tests, Fehlschläge, neue Märkte oder Wettbewerb sein. Lernen ist dabei notwendig, um den Weg als solches zu erkennen und ihn zu begehen.

Meistens werden in den Unternehmen und Organisationen nur Erfolge gefeiert. Wir haben schon als Kinder gelernt, dass wir Erfolg haben müssen und erst dann belohnt werden, wenn wir dieses oder jenes tun und auch erreichen. Führungskräfte in Unternehmen werden für ihren Erfolg anerkannt, belohnt und motiviert und vermeiden daher Risiken zurück.

Feiern Sie nicht nur den Erfolg, sondern auch die Lernerfahrungen

Eine Möglichkeit, eine innovative Kultur zu schaffen, besteht darin, es den Mitarbeitern zu ermöglichen, großartige und vielleicht auch unmögliche Ideen zu entwickeln und sie für Verbesserungen zu begeistern. Dazu braucht es eine Vertrauensumgebung, in der die Menschen die Leidenschaft haben, sich zu verbessern. Es geht darum, die MitarbeiterInnen dazu zu bringen, dass sie gespannt darauf sind, herauszufinden, wie die Dinge funktionieren.

Misserfolg kann im Geschäftsalltag nachteilig sein. Aber nur, wenn Sie Risiken eingehen und Experimente zulassen, kann das zu Innovationen führen, die Sie letztlich weiterbringen.

 

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Autor/in

Ingrid Gerstbach Inhaberin Gerstbach Business Analyse GmbH E-Mail: Nachricht schreiben Twitter Website: gerstbach-designthinking.com Profil

Ingrid Gerstbach ist Unternehmensberaterin und Vortragsrednerin. Die Expertin für Design Thinking arbeitet derzeit an ihrem vierten Buch, das die neue Welt der Arbeit in den Fokus stellt und sich ansieht, welchen Einfluss Räume dabei haben.

Kommentare

  1. / von Imme Gerke

    Fehlerkultur ist in Bereichen wie der Entwicklungshilfe, Blauhelm- und Kriseneinsätzen ein Thema, das lange Zeit zum Versagen der Einsatzkräfte und der Wirkung der Einsätze geführt hat. Darum hat man für diese Berufe schrittweise eine neue Sozialisierung – zumindest in einigen Ländern – eingeführt. Das sollte in der deutschen Wirtschaft, den Schulen, der Pflege, usw. auch getan werden. Der Fachbegriff für diese neue Sozialisierung ist cross-culture.

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