Reine Umstrukturierungsmaßnahmen seien schon lang nicht mehr genug, meint Ingo Tiedemann, Leiter Personal und der Organisationsentwicklung der Stoll Gruppe – und deshalb befindet Stoll sich seit 2013 in einem kontinuierlichen zyklischen Verbesserungsprozess.  Stoll ist ein mittelständisches Unternehmen im Anlagenbau, einer eher als konservativ geltenden Branche. Hauptsitz ist in Martinszell im Allgäu, es gibt aber auch Niederlassungen in der Schweiz, in China und in Hongkong.

Das Besondere an Stoll ist die innere Organisationskultur

Seit 2013 gibt es im Unternehmen nämlich das sogenannte „Integrierte Miteinander“, die Einladung und Aufforderung an die Mitarbeiter, sich an der Ausrichtung und Strategie des Unternehmens zu beteiligen, darüber zu diskutieren und sie tagtäglich im Alltag voranzutreiben. „Wir wollten installieren, dass jeder Mitarbeiter seinen Beitrag leisten kann, um das Unternehmen weiterzubringen“, sagt Tiedemann zu den Beweggründen.

Zwei Mal im Jahr kommen alle Mitarbeitenden an einem Ort zusammen und setzen sich mit dem strategischen Fokus der kommenden Monate auseinander. „Die Mitarbeiter bearbeiten das Thema in Kleingruppen anhand bestimmter Fragen“, erzählt Tiedemann. Eine mögliche Leitfrage ist dann zum Beispiel: „Sind die Kennzahlen sinnvoll?“. Doch das Integrierte Miteinander ist noch mehr: Es ist auch ein Gesprächsangebot an die Mitarbeitenden, dass sie der Geschäftsführung mitteilen können, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Das Interessante an dieser Entwicklung

Mit diesem Prozess ist Stoll schon einige Schritte in Richtung einer Netzwerk-Organisation gegangen, denn sie arbeiten dadurch nicht mehr hierarchiegetrieben, sondern vor allem kundenzentriert und lösungsorientiert. Unternehmen und Mitarbeitende würden sich dadurch massiv weiterentwickeln, sagt Tiedemann.

„Natürlich komme es immer mal wieder zu ‚Rückfällen‘“, sagt Tiedemann, zum Beispiel in stressigen Phasen. Doch die Haltung des Miteianders wird hochgehalten und untereinander auch immer wieder ausgehandelt und umgesetzt. Doch wie installiert man so einen Prozess? Das ist nicht ganz einfach, weiß Tiedemann aus der eigenen Erfahrung zu berichten. Es brauche Orientierung, Kommunikation und auch zeitliche Ressourcen – denn zu Beginn erleben die Mitarbeitenden so ein Projekt vor allem als zusätzliche Aufgabe. „Sie müssen selbst entwickeln, wo der Vorteil für sie liegt – und da braucht es Unterstützung“, sagt er.

Doch in der Gesamtschau ist das Integrierte Miteinander ein großer Erfolg – und seine Idee auch ein Erfolgsrezept für andere Unternehmen: „Was man von uns lernen kann, ist den Mitarbeiter ernst zu nehmen und den Markt in den Blick zu nehmen“, sagt Tiedemann. „Man kann von uns lernen, wie man mit Haltung Dinge bewegen kann!“ Denn: „Wenn ich Markt und Mensch gemeinsam im Blick habe, dann ist das ein guter Schlüssel, um erfolgreich zu sein“, ist er überzeugt.

 

 

 

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