An Studien zum sogenannten „Stand der digitalen Transformation in Deutschland“ mangelt es zweifelsohne nicht. Wir haben nun eine eigene Befragung zu dem Thema durchgeführt. Warum? Weil bisherige Studien üblicherweise Führungsetagen und IT-Verantwortliche befragen und diese häufig beklagen, die eigene Mitarbeiterschaft sei nicht offen oder digital kompetent genug. Wir wollten deshalb explizit wissen: Was denken eigentlich umgekehrt die Erwerbstätigen über den Stand der Digitalisierung in ihrem Unternehmen? Wie digital finden sie ihr Unternehmen? Wie nehmen sie die Digitalisierung der Arbeitswelt wahr? Die Fragen hören sich einfach an, haben uns aber u.a. vor neue methodische Herausforderungen gestellt. Zudem haben wir implizit vorausgesetzt, dass die Digitalisierung von Unternehmen und der Arbeitsumgebung prinzipiell etwas positives ist. 

Unsere Erkenntnisse aus der Umfrage auf den Punkt gebracht

Die Ergebnisse der Umfrage unter den Erwerbstätigen zeigt, dass die digitale Offenheit der Menschen in Deutschland am Arbeitsplatz deutlich größer ist als gemeinhin dargestellt. Es ist an den Entscheidern in der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik, diese Veränderungsbereitschaft aufzunehmen und in konkrete Handlungen umzusetzen.

  • Es bedarf einer Debatte jenseits der üblichen Führungskräftestudien, die die digitale Kompetenzen allein der Beschäftigten bemängeln, da diese auf Dauer das falsche Signal senden. Die bisherigen Studien setzen zu selten bei den Führungskräften selbst an. Unternehmen übersehen damit ihr internes Potenzial an digital kompetenten Beschäftigten.
  • Unternehmen sollten bei der digitalen Transformation die sozialen und unternehmenskulturelle Dimensionen unbedingt mit berücksichtigen. Obgleich nahezu 50% aller Erwerbstätigen überwiegend mit Menschen (und nicht technischen Hilfsmitteln et al.) zu tun haben, wird dieser menschliche Faktor bei betrieblichen digitalen Transformationen regelmäßig vernachlässigt.
  • Ein höherer Grad an Digitalisierung geht mit einem höheren Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen einher. Unternehmenslenker sollten sich dieser positiven Selbstverstärkung bewusst werden.
  • Digitale Transformation ist nicht nur eine Führungsaufgabe sondern beinhaltet auch die Frage, wie Bottom-Up-Dynamiken in die interne Innovationspolitik einbezogen werden könnten. Als digital reifere Unternehmen wahrgenommene Arbeitgeber gehen einher mit einer positiveren Zukunftseinstellung der Beschäftigten und mehr Offenheit für Innovation „von unten“.
  • Die jüngere Generation sollte gezielt jenseits der üblichen Senioritätsparadigmen in die Planung der digitalen Transformation einbezogen werden, um deren Veränderungswillen mit in das Unternehmen zu tragen.
  • KMUs und Konzerne sollten darüber nachdenken, wie sie – in Analogie zu den Kleinstunternehmen – die internen Wege verkürzen, um Verbesserungsvorschläge der Beschäftigten im Zuge der Transformation schneller umzusetzen

Wer die folgenden methodischen Anmerkungen überspringen möchte, kann über das Inhaltsverzeichnis (zur Linken), direkt zu den Ergebnissen springen. „Wie nehmen Erwerbstätige denn nun die betriebliche Digitalisierung wahr….“

Führungskräftestudien beklagen üblicherweise mangelnde digitale Kompetenz und Offenheit der eigenen Mitarbeiterschaft

Die Diskussion über den Stand der betrieblichen Digitalisierung in Deutschland wird regelmäßig durch diverse Befragungsergebnisse befeuert. So ermittelt etwa das Bundeswirtschaftsministerium im Monitoring-Report Wirtschaft DIGITAL den Digitalisierungsgrad der deutschen Wirtschaft und führte dazu auch 2018 eine Befragung „hochrangiger Entscheider aus 1.061 Unternehmen“ durch.

Darüber hinaus veröffentlichen diverse Beratungsunternehmen Studien und Umfragen zum Thema: Die Digitalberatung etventure führt seit vier Jahren eine jährliche Studie zur digitalen Transformation in deutschen Großunternehmen durch, für die „Entscheidungsträger, die mit dem Thema Digitalisierung im jeweiligen Unternehmen befasst sind“ befragt werden. Für die Studie IT-Trends befragt auch die Beratung Capgemini Entscheidungsträger, definiert als „Personen, die auf Geschäfts-führungsebene beziehungsweise oberer Managementebene zu den strategischen IT-Aktivitäten ihres Unternehmens Auskunft geben konnten“. Tata Consultancy Services und Bitkom Research führen seit 2016 eine ähnlich ausgerichtete Befragung durch und nehmen dabei Führungskräfte in den Fokus, in deren Verantwortungsbereich die Digitalisierung fällt: „Geschäftsführer, Mitglieder des Vorstands und Entscheider aus den Bereichen IT, digitale Technologien, operatives Geschäft und Finanzwesen“.

Was denken eigentlich die Erwerbstätigen über die Digitalisierung in ihrem Unternehmen?

Da uns die oben geschilderten Ergebnisse aus Führungskräftestudien nachdenklich gestimmt haben, wollten wir wissen: Was denken eigentlich die Erwerbstätigen über den Stand der digitalen Transformation in ihrem Unternehmen? Schließlich kennen sie ihr eigenes Arbeitsumfeld, ihre berufliche Tätigkeit, ihre Bedarfe und Wünsche am besten. Wir haben ganz gezielt nicht nur Führungskräfte oder IT-Verantwortliche befragt, sondern alle Erwerbstätigen[1]. Die Ergebnisse bilden somit auf einer allgemeinen Ebene ab, wie die digitale Unternehmenstransformation wahrgenommen und miterlebt wird, und liefern auf diese Weise den Handelnden in Unternehmen wichtige Erkenntnisse. Neben dieser wichtigen Erwerbstätigenperspektive hatten wir noch eine zweite Zielsetzung, die uns zur Durchführung dieser Befragung motiviert hat.

Die Digitalisierung erfordert einen neuen Blick auf etablierte Berufsklassifikationen

Spricht man über Digitalisierung, dann ist klar, dass die diverse Berufslandschaft in Deutschland nicht gleichermaßen digital ausgerichtet und entwickelt ist – und sie wird/soll/kann dies auch nicht sein. Unterschiedliche Berufsbereiche sind in puncto Digitalisierung unterschiedlich weit fortgeschritten bzw. bietet die Digitalisierung diesen nicht überall die gleichen Möglichkeiten. Im Kontext der digitalen Transformation sollte man jedoch Personen, die mit Menschen arbeiten (etwa im Gesundheitswesen oder in der Lehre), anders in den Blick nehmen als diejenigen, die überwiegend die überwiegend am Schreibtisch sitzen und immaterielle Dienstleistungen erbringen.

Auch diejenigen, die mit klassischen technischen Hilfsmitteln oder handwerklichen Geräten arbeiten, sind anders betroffen und haben eine andere Erwartung an Digitalisierung als Menschen, die mit intelligenten Geräten und Maschinen arbeiten.

Ein zweites Ziel dieser Befragung war es daher, einen differenzierteren Blick auf die beruflichen Tätigkeiten der Erwerbstätigen zu werfen, um eben solche Unterschiede bei der Wahrnehmung und dem Wunsch nach Digitalisierung abzubilden.

Etablierte Berufsklassifikationen sagen nichts über die Art und Weise oder das Ergebnis einer beruflichen Tätigkeit aus. Ein persönliches Beispiel:

Bei der Sekundärrecherche im Rahmen der Konzeption dieser Befragung fiel uns auf, dass bestehende Berufsklassifikationen die Unterschiede in Art und Weise von Tätigkeiten oder auch die verschiedenen möglichen Ergebnisse einer beruflichen Tätigkeit nicht abbilden. Das wohl etablierteste nationale Referenzwerk zur Klassifizierung der deutschen Berufslandschaft ist die „Klassifikation der Berufe 2010“ (KldB 2010) der Bundesagentur für Arbeit. Sie wird von sämtlichen Statistischen Landes- und Bundesämtern sowie zahlreichen Institutionen in Wissenschaft, Verwaltung und Politik verwendet, wenn es um statistische Erhebungen zum deutschen Arbeitsmarkt geht. Für diese Zwecke hat eine hierarchische Klassifikation wie die KldB 2010 sicherlich eine wichtige Funktion. Dennoch möchten wir anhand eines persönlichen Beispiels aus unserem eigenen Arbeitsumfeld möchten verdeutlichen, wo die Klassifikation unseres Erachtens nach an Grenzen stößt:

Die häufigste Berufsbezeichnung für in der Bertelsmann Stiftung Beschäftigte lautet „Project Manager“. Auch in vielen anderen Organisationen und Unternehmen ist dieser generische Jobtitel zunehmend zu finden. Als formale Qualifizierung wird in der Bertelsmann Stiftung für diese Position ein abgeschlossenes Studium vorausgesetzt, einige Mitarbeitende haben zudem eine Promotion abgeschlossen.

Die überwiegende Mehrheit der Project Manager hat ein geistes-, sozial- oder wirtschaftswissenschaftliches Studium beendet. Innerhalb der KldB 2010 erhält die Berufsbenennung „Projektmanager/in“ den numerischen Schlüssel 71393 und wird damit als „komplexe Spezialistentätigkeit“ im Berufsbereich Unternehmensorganisation und -strategie“ eingeordnet. Denselben numerischen Schlüssel erhalten unter anderem auch Gruppenaufseher/in, Projektsteuerer/-steuerin oder Geschäftsbereichsleiter/in.

Würde man diese formale Zuordnung unbeachtet lassen und einer Kollegin die Berufsliste der KldB 2010 vorlegen, so würde sie sich womöglich ganz anders einordnen, z. B. bei Nummer 91314 „Hoch komplexe Tätigkeiten [als] Politologe/  Politologin“ oder bei 91404 „Hoch komplexe Tätigkeiten [als] Volkswirt/in“. Eine einfache Zuordnung auf Basis der Berufsbenennung liefert folglich schon heute kein korrektes Abbild der beruflichen Wirklichkeit.

Bei den in der Zukunft zu erwartenden tiefgreifenden Änderungen in den Unternehmen infolge der Digitalisierung der Arbeits- und Produktionsprozesse müssen wir uns also Gedanken darüber machen, wie eine solche Klassifikation an das digitalisierte Unternehmensumfeld angepasst werden könnte. Besonders prominent hat sich u.a. auch das McKinsey Global Institute diesen Fragen in seinem Diskussionspapier „Skill shift: Automation and the future of the workforce“ gewidmet.

Was uns bei dem numerischen Schlüssel insbesondere fehlt, ist, dass er nichts bis wenig darüber aussagt, wie die Person hinter der Nummer tatsächlich arbeitet.

Sitzt ein Project Manager hauptsächlich im Büro am Computer? Oder umfasst diese Tätigkeit überwiegend die soziale Interaktion mit Menschen, etwa in Workshops, bei Events oder in der Teamzusammenarbeit? Was entsteht bei dieser Tätigkeit? Ist eben jene zwischenmenschliche Zusammenarbeit das Ergebnis der beruflichen Tätigkeit oder geht es um die Erbringung einer  Dienstleistung oder die Produktion eines Inhalts?

Wir schlagen einen neuen Ansatz vor, der digitalisierungsbedingten Veränderung von Berufsbildern Rechnung zu tragen

Wir haben in diese Befragung daher zwei Fragen integriert, die explizit der Veränderung von Berufsbildern Rechnung tragen. So wollten wir wissen:

Wenn Sie an Ihre berufliche Tätigkeit denken:
Verrichten Sie den Hauptteil Ihrer Arbeit …

  • mit Menschen (etwa Gesundheit/Pflege, Erziehung/Bildung)
  • in Bürotätigkeit (etwa Verwaltung, Unternehmensorganisation)
  • mit technischen Arbeitsmitteln oder -geräten (Werkzeuge, Arbeits- und Kraftmaschinen, Beförderungsmittel; „klassisches Handwerk“)
  • mit intelligenten Geräten oder Maschinen (digital vernetzt, Industrie 4.0)?

Die Antworten auf diese Frage nach der Art und Weise der beruflichen Tätigkeit sind bemerkenswert!

Fast die Hälfte der deutschen Erwerbstätigen (48 Prozent) sagt von sich selbst, dass sie den Hauptteil ihrer Arbeit mit Menschen verrichtet.

Gut ein Fünftel der Erwerbstätigen verrichtet nach eigener Einschätzung den Hauptteil der Arbeit in Bürotätigkeit. Weitere 20 Prozent sind bei der Verrichtung ihres Berufs hauptsächlich auf technische Arbeitsmittel oder -geräte angewiesen, während lediglich 10 Prozent von sich selbst behaupten, überwiegend mit intelligenten Geräten oder Maschinen zu arbeiten.

Studie "Wie digital sind deutsche Unternehmen?", Bertelsmann Stiftung
Studie „Wie digital sind deutsche Unternehmen?“, Bertelsmann Stiftung

Dieser hohe Anteil der Befragten, der angibt, überwiegend mit Menschen zu arbeiten, ist beachtlich und verdeutlicht, wie sehr man den sozialen und zwischenmenschlichen Kontext bei der digitalen Transformation der Arbeitswelt berücksichtigen sollte. Da das Ergebnis auf der Selbsteinschätzung der Befragten basiert, ist es sehr wahrscheinlich, dass insbesondere Menschen mit einem Bürojob bewusst entscheiden mussten, ob der Hauptteil der Arbeit auf die Interaktion mit Menschen oder die Tätigkeit am Schreibtisch entfällt – und viele scheinen sich für Ersteres entschieden zu haben. Diese Antworten liefern insofern einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn, den eine reine Abfrage des numerischen Schlüssels innerhalb einer Berufsklassifikation nicht leisten kann.

Darüber hinaus wurde den Befragten folgende Frage gestellt:

Denken Sie nun an das Ergebnis Ihrer beruflichen Tätigkeit. Handelt es sich dabei hauptsächlich um …

  • ein Erzeugnis oder Produkt (etwas Materielles, Physisches, Greifbares)
  • eine Dienstleistung (etwas Immaterielles, z. B. Gastronomie, Finanzdienstleistung, Verkehrsbetrieb)
  • einen Inhalt (wissensgeneriert, kreativ; Texte, Bilder, wissenschaftliche Arbeiten)
  • eine soziale Interaktion (Pflege, Erziehung, Bildung, Kommunikation)?

Nach dem Ergebnis ihrer beruflichen Tätigkeit befragt, geben 59 Prozent der Befragten an, eine Dienstleistung zu erbringen, weitere 4 Prozent einen Inhalt. Jeder Fünfte hat am Ende des Tages ein konkretes Produkt erzeugt, 14 Prozent arbeiten in Berufen, die auf sozialen Interaktionen basieren. Betrachtet man diese Ergebnisse im Zusammenspiel mit der vorherigen Frage, so mag es überraschend erscheinen, dass zunächst 48 Prozent der Befragten gesagt haben, ihre berufliche Tätigkeit hauptsächlich mit Menschen zu verrichten, und dann lediglich 14 Prozent angeben, dass eine soziale Interaktion das Ergebnis ihrer Arbeit sei. Diese vermeintliche Diskrepanz ist jedoch auf den hohen Wert im Bereich der Dienstleistungen (59 Prozent) zurückzuführen, in dem sich wohl viele der mit Menschen arbeitenden Befragten selbst eingeordnet haben. Die 22 Prozent der Erwerbstätigen, deren Arbeitsergebnis ein Erzeugnis oder Produkt ist, korrespondieren mit den 20 Prozent der Erwerbstätigen, die mit technischen Arbeitsmitteln oder -geräten tätig sind.

Im Digitalisierungsdiskurs ist zu berücksichtigen, wie Menschen ihre berufliche Tätigkeit ausüben und was das Ergebnis ihrer Arbeit ist.

Die Ergebnisse dieser erweiterten Tätigkeitsabfrage deuten darauf hin, dass es in einer zunehmend digitalisierten Arbeitswelt nicht mehr ausreichend ist abzufragen, in welchem formalen Berufsbereich jemand tätig ist. Im Digitalisierungsdiskurs ist vielmehr von Bedeutung, wie Menschen ihre Tätigkeit ausüben und was letztlich das Ergebnis ihrer Arbeit ist. So haben Erwerbstätige, die hauptsächlich sozial mit Menschen interagieren, eine andere „digitale“ Ausgangslage und Erwartungshaltung als diejenigen, die in Bürotätigkeit eine immaterielle Dienstleistung erbringen. Die Ergebnisse früherer Studien und die Erfahrungen aus unserer Projektarbeit mit verschiedensten Unternehmen verdeutlichen, dass eine erfolgreiche betriebliche Digitalisierung erst dann möglich wird, wenn diese Unterschiede und Besonderheiten berücksichtigt werden. Wir sind uns durchaus bewusst, dass diese neue Herangehensweise an die Sicht auf berufliche Tätigkeiten gewohnte Muster durchbricht und eher auf die Zukunft und die internationale Perspektive ausgerichtet ist, sehen aber angesichts unserer vorherigen Studienergebnisse die Gelegenheit, diese Debatte zu eröffnen.

Wie nehmen Erwerbstätige denn nun die betriebliche Digitalisierung wahr? Zentrale Ergebnisse der Befragung

  • Bei der digitalen Transformation der deutschen Unternehmen besteht noch dringender Nachholbedarf. Es ist zwar bereits einiges auf den Weg gebracht, wir sind aber weit davon entfernt, von einem flächendeckenden Erfolg sprechen zu können. Die deutliche Mehrheit der Erwerbstätigen empfindet ihr eigenes berufliches Umfeld als aufgeschlossen gegenüber digitalen Technologien und Arbeitsweisen. Dies steht explizit im Gegensatz zu vielen Studien, in denen Führungskräfte immer wieder beklagen, dass ihre eigenen Mitarbeitenden nicht kompetent oder veränderungsbereit genug seien.
  • Knapp 40 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland bewerten ihr eigenes Unternehmen als äußerst bzw. sehr digital. Dieses Ergebnis macht deutlich, dass die Digitalisierung aus Sicht der Erwerbstätigen in den deutschen Unternehmen angekommen ist. Gleichzeitig bedeutet dies jedoch auch, dass 60 Prozent der Befragten ihr Unternehmen nicht als digital fortgeschritten wahrnehmen. So geben 38 Prozent an, dass sie in einem „etwas digitalen“ Umfeld arbeiten. Ganze 22 Prozent der Befragten und somit jeder fünfte Erwerbstätige sagen, dass ihr Unternehmen kaum bzw. noch nicht in der digitalen Welt angekommen ist.
  • Die Unternehmensgröße spielt bei der Einschätzung der betrieblichen Digitalisierung eine Rolle: Je größer ein Unternehmen, desto digitaler wird es von seinen Beschäftigten eingestuft. Bei Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden  stufen 53 Prozent ihr Unternehmen als sehr digital ein, während der Durchschnitt bei 39 Prozent liegt. Dies deckt sich mit den Ergebnissen unseres Werkstattberichts.
Studie "Wie digital sind deutsche Unternehmen?", Bertelsmann Stiftung
Studie „Wie digital sind deutsche Unternehmen?“, Bertelsmann Stiftung

Erwerbstätige in Deutschland sind digitalen Technologien gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen, 65 Prozent empfinden ihre Kollegen und ihr konkretes Arbeitsumfeld als sehr offen. Dennoch können nicht alle in gleichem Maße von Digitalisierung profitieren. Das fehlende Angebot mobiler und flexibler Arbeitsweisen durch Unternehmen scheint ein Bremsblock für das befähigende Potenzial der Digitalisierung zu sein. 47 Prozent der Erwerbstätigen geben an, dass in ihrem Unternehmen zeitlich und räumlich flexibel gearbeitet wird. Bei Personen, die hauptsächlich mit Menschen arbeiten, liegt dieser Wert bei 35 Prozent.

Studie "Wie digital sind deutsche Unternehmen?", Bertelsmann Stiftung
Studie „Wie digital sind deutsche Unternehmen?“, Bertelsmann Stiftung

Durch ihren transformierenden und disruptiven Charakter zwingt die Digitalisierung der Arbeitswelt Unternehmen dazu, ihre eigene Zukunftsfähigkeit unter Beweis zu stellen. Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Erwerbstätigen in Deutschland in einem erstaunlich hohen Maß (zu 83 Prozent) an die richtige Marktausrichtung ihrer Unternehmen glauben – je digitaler Unternehmen sind, desto positiver die Prognosen.

Studie "Wie digital sind deutsche Unternehmen?", Bertelsmann Stiftung
Studie „Wie digital sind deutsche Unternehmen?“, Bertelsmann Stiftung

Innovationen oder Neuerungen, die entscheidend für eine effektive digitale Transformation sind, werden überwiegend durch die Eigeninitiative der Mitarbeitenden ins Unternehmen gebracht. 55 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass jeder eine gute Idee eigeninitiativ einbringen kann. Gleichzeitig dominiert aber insbesondere in größeren Unternehmen eine hierarchische oder funktionale Vorgabe von Veränderungen, die die positive Wirkung der Eigeninitiative flankieren kann.

Studie "Wie digital sind deutsche Unternehmen?", Bertelsmann Stiftung
Studie „Wie digital sind deutsche Unternehmen?“, Bertelsmann Stiftung

Über alle Altersgruppen hinweg attestieren die Befragten ihrem Arbeitsumfeld eine grundsätzliche Offenheit gegenüber der Digitalisierung. Beim Wunsch nach digitalerem Arbeiten und bei der Einschätzung des Potenzials und Nutzens der digitalen Transformation nimmt die jüngere Generation eine deutlich forderndere und positivere Haltung ein als ältere Altersgruppen. Wünschen sich 47 Prozent der 16- bis 29-jährigen Erwerbstätigen ein moderneres und digitaleres Arbeitsumfeld, so lehnt die Hälfte der über 60-Jährigen (51 Prozent) dies ab. Es ist daher anzunehmen, dass die betriebliche digitale Transformation zunehmend an Dynamik gewinnen wird, je mehr jüngere Menschen, die der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossener sind, in Entscheiderpositionen kommen.

Studie "Wie digital sind deutsche Unternehmen?", Bertelsmann Stiftung
Studie „Wie digital sind deutsche Unternehmen?“, Bertelsmann Stiftung

Card image cap

Wie digital sind die Unternehmen in Deutschland?

Hintergrund und Zielsetzung der vorliegenden Untersuchung ist die Erfassung des aktuellen Standes der betrieblichen Digitalisierung in Deutschland aus Sicht der Erwerbstätigen. Im Gegensatz zu andere...

weiterlesen weiterlesen

Bereitstellung der Umfrageergebnisse als Open Data

Die gesamten Ergebnisse der Befragung und unsere dazugehörige Einschätzung sind hier in dieser Publikation nachzulesen.

Die in der Publikation dargestellten Zahlen sind eine bewusste und limitierte Auswahl an Ergebnissen, die wir im Zuge der Auswertung als besonders relevant befunden haben. Um gezielt einer Unterauswertung der vorliegenden Daten entgegenzuwirken und unserem eigenen Anspruch als gemeinnützige Organisation gerecht zu werden, stellen wir die gesamten Umfrageergebnisse als Open Data zur Verfügung. Wir möchten dadurch andere Forscherinnen und Forscher dazu befähigen, die Daten für eigene Fragenstellungen (bspw. für Bachelor-, Master-, Doktorarbeiten oder sonstige Forschungsprojekte) zu verwerten.

Betriebliche Digitalisierung_Variablen_csv
Betriebliche Digitalisierung_total_xlsx
Betriebliche Digitalisierung_komplett_csv
Betriebliche Digitalisierung_Fragebogen_Codes.csv

Hier findet ihr die dazugehörigen Grafiken , die unter einer CC BY-SA 3.0 Lizenz (Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen) frei verwendet werden können:

Grafik mit Abbildungs Nr. 
Grafik ohne Abbildung Nr. 

Wir freuen uns darauf, mit Euch über die Befragungsergebnisse in den Austausch zu kommen!

______________________________________________________

[1] Die Stichprobe unserer repräsentativen Befragung beinhaltet 2.088 Erwerbstätige in Voll- oder Teilzeit. Zu den Erwerbstätigen zählen nach dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen Personen, die eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben (Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Selbstständige oder mithelfende Familienangehörige). Uns ist bewusst, dass unsere Stichprobe daher nicht nur abhängig Beschäftigte, sondern auch einen gewissen Anteil an Führungskräften und Selbstständigen umfasst. Aus forschungsökonomischen

Gründen, insbesondere der weiten Verbreitung der verwendeten Definition von Erwerbstätigkeit, nehmen wir diese Ungenauigkeit jedoch in Kauf. Es ist davon auszugehen, dass es sich bei dem Großteil der Befragten um Erwerbstätige in einem anhängigen Arbeitsverhältnis handelt, die im Folgenden speziell gemeint sind.

1892 mal gelesen