So wie sich die Arbeitswelt verändert, so verändert sich auch die Kommunikation in Unternehmen. Und besonders das alljährliche Mitarbeitergespräch wird zunehmend durch andere Formate abgelöst: Anbieter wie Leapsome oder Kununu Engage entwickeln Software, die hier neue Wege eröffnen soll. Wege, die zeitgemäßer, niedrigschwelliger und wirksamer sein sollen. So ermöglichen sie Feedback in alle Richtungen – nicht nur von der Führungskraft zum Mitarbeitenden, sondern eröffnen auch Rückkanäle, über die die Mitarbeiter auch ihre Vorgesetzten und ihre Kollegen und Kolleginnen feedbacken und bewerten können.

„Am Ende ist es eine wirtschaftliche Entscheidung gewesen“, sagt Jan Holste über die Einführung von Leapsome. Er ist Director People & Culture bei PlusDental, einem Start-up im Bereich Zahnmedizin. HR-Abteilungen professionalisierten sich durch den Einsatz von Software, ist er überzeugt. Denn das, was sie mit der Software tun, das wäre auch manuell möglich – doch eine solche Software bietet die Möglichkeit, Mitarbeiterumfragen oder Feedback ressourcenschonend einzuholen, ohne dass man jeder Rückmeldung einzeln hinterherlaufen muss. Außerdem ist Holste überzeugt, dass solche Abfragen zu einem höheren Engagement der Mitarbeitenden führen, weil es sie motiviert – und das mache sie produktiver. Wichtig sei dabei aber, dass sie auch das Gefühl haben, dass ihr Feedback umgesetzt werde, sagt er.

Was mit dem Feedback geschehe, das liegt individuell bei den Firmen und den Führungskräften, hat Florian Gansemer beobachtet – keine Software kann ihnen das abnehmen. Aber: „Ich muss als Führungskraft nicht sofort ganz große Veränderungen in die Wege leiten“, sagt er. Auch die Botschaft: „Ich habe verstanden!“ reiche manchmal schon aus.

Solche Abfragen, wie Leapsome oder Kununu Engage sie ermöglichen, sind Arbeit für beide Seiten: Für die Mitarbeitenden genauso wie für die Führungskräfte und Personaler, die damit befasst sind. Weil es aber zu spannenden Erkenntnissen führe, habe es seinen Wert, ist Holste überzeugt. Es brauche gerade die Führungskräfte in so einem Prozess, die das begleiten und erklären. Hier hakt Gansemer ein: Für ihn als Führungskraft, die die eigene Software natürlich auch einsetzt, gehört es zu seinen Kernaufgaben, den Mitarbeitenden zuzuhören – deshalb empfindet er es ganz und gar nicht als zusätzliche Aufgabe. Dasselbe gelte für die halbjährlichen Gespräche: „Das ist das Wichtigste, das ich meinen Mitarbeitern zurückgeben kann!“ 

Gleichzeitig ist so ein Prozess durchaus nicht unterkomplex – gerade auch in seiner Einfürhung. Die Mitarbeitenden müsste auch erst einmal lernen, nicht nur Feedback zu empfangen, sondern es auch zu geben, sagt Gansemer. „Ich glaube, wir geben mit dem Tool da etwas an die Hand, was es etwas einfacher macht“, hofft er. Gleichzeitig – und das dürfe man nicht aus den Augen verlieren – bleibe so ein Feedback auch mit einem Tool immer politisch, meint Holste: Abwägungen würden getroffen, wem man was sagt.

Bei PlusDental seien die Einstellungen sehr transparent, berichtet er – um möglichst nah an einem Feedback zu bleiben, dass man sich auch ins Gesicht sagen würde. Wichtig sei außerdem, die mit den Tools erhobenen Daten zu kontextualisieren und zu erörtern. Sie müssten bewertet werden, auch durch die Führungskraft, betont Holste. Denn man dürfe nicht vergessen: Alle Unschärfen eines herkömmlichen Bewertungsprozesses befänden sich auch in so einer technologischen Lösung. „Das Tool wirkt vor allem unterstützend“, meint auch Gansemer. Tools machen Prozesse vielleicht einfacher – doch können niemals begleitende Führungsarbeit ersetzen.

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