Menschen, die eine Rehabilitation in Anspruch nehmen, haben oft schon eine lange Tortur hinter sich. Sie durchliefen mehrere Therapien oder Operationen und haben viele Tage oder Wochen in Krankenhäusern oder Therapieeinrichtungen verbracht.

Die Rehabilitation soll Ihnen helfen, in den Alltag und das Arbeitsleben zurück zu finden. Nicht umsonst sind Rehabilitationskliniken in der Regel schön gelegen. Frische Luft, gutes Klima und schöne Aussichten sollen den Patient*innen helfen, sich zu entspannen und zu lernen, mit ihrer Krankheit umzugehen. Denn:

Stress schwächt das Immunsystem.

Und Wunden heilen besser ohne Stress, das haben Studien gezeigt.
Doch eine Rehabilitation ist bei Weitem kein Urlaub. Die Tage der Rehabilitand*innen sind von morgens bis abends durchgeplant – unter anderem mit Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie oder Entspannungseinheiten. So eine Reha ist also kein Spaziergang und die verschiedenen Therapien greifen wie Zahnräder ineinander um die Genesung der Patientin oder des Patienten zu gewährleisten. Die Therapiepläne sind individuell auf die Patient*innen abgestimmt und nur die persönliche Betreuung durch das Therapieteam kann zu einer erfolgreichen Behandlung führen.

Nun stellen Sie sich einmal vor, Sie haben diese Tortur hinter sich – viele Jahre Stress, immer wieder Arzttermine, kaum eine Besserung. Schließlich hat ihr Hausarzt oder ihre Hausärztin einen Antrag auf Rehabilitation gestellt und genehmigt bekommen. Voller Vorfreude, endlich Ihre Sorgen und Ihr Leiden loszuwerden, begeben Sie sich im Februar 2020 in eine Rehaklinik.

Und jetzt kommt das Unvorhersehbare:

..ein Virus bahnt sich seinen Weg nach Deutschland, das schon bald das alltägliche Leben für uns alle lahmlegen wird. Die aktuelle Situation in Rehabilitationskliniken ist vertrackt – einerseits werden es immer weniger Neuzugänge, weil Elektivoperationen, wie zum Beispiel das Einsetzen eines neuen Hüftgelenks, abgesagt werden, wodurch diese Patient*innen auch keine Anschlussrehabilitation benötigen. Auch wird debattiert, ob einige Rehabilitationskliniken den Reha-Betrieb gar komplett einstellen sollten, um in Falle einer Masseninfektion als Akutkrankenhäuser zur Verfügung zu stehen.

Andererseits gibt es die besagten Patient*innen, welche sich aktuell in der lang ersehnten Reha befinden und in Zeiten von Social Distancing und zu vermeidendem Körperkontakt nicht wissen, wie es weitergeht. Kliniken müssen wiederum dafür sorgen, dass ihr medizinisches und therapeutisches Personal kein Risiko auf sich nimmt und Patient*innen wie Personal gesund bleiben. Und an dieser Stelle wird sich in den nächsten Wochen aufgrund des Corona-Virus zeigen, wie sich die Arbeit des medizinischen Personals mit Hilfe digitaler Werkzeuge grundlegend verändern wird.

Zum Glück gibt es in Zeiten der Corona Krise Telemedizin

Denn wenn sich jetzt eines gelohnt hat, dann war es die Arbeit der Unternehmen, welche sich in den letzten Jahren mit der digitalen Vermittlung medizinischer Inhalte beschäftigt und dafür gekämpft haben, dass diese auch von den führenden Institutionen anerkannt werden. Jetzt können wir helfen und dafür sorgen, dass die medizinische und therapeutische Versorgung tausender Menschen in Deutschland trotzdem weiter laufen kann. In unserem konkreten Fall, der beispielhaft für viele andere Firmen in unserer Branche steht, sind es die Rehabilitand*innen, die jetzt plötzlich einzig durch Teletherapie die Möglichkeit haben, wieder gesund zu werden und es auch langfristig zu bleiben. Zudem schützt die Telemedizin das extrem schutzbedürftige Klinikpersonal, was durch die Vermeidung von Gruppentherapien entlastet wird.

Wir hatten uns von Anfang an das Ziel gesetzt, die Rehabilitation zu digitalisieren. So sollte dem bereits vor Corona drängenden Fachkräftemangel und der fehlenden Versorgung von Menschen auf dem Land oder mit wenig Zeit entgegengewirkt werden. Im Jahr 2020 können wir glücklicherweise ein anerkanntes Konzept anbieten, welche es seit vergangenem Jahr Rehabilitationskliniken erlaubt, Telerehabilitation und Tele-Reha-Nachsorge über die deutsche Rentenversicherung abzurechnen; genau wie die ambulanten Therapien.

Alle Patient*innen unserer über hundert Partnerkliniken lernen die App bereits in der Klinik kennen, werden hier an ihren digitalen Therapieplan herangeführt und erledigen erste Übungen mit Hilfe der Therapieapp. Auch das Therapieteam kennt sich in diesen Kliniken schon mit der Anwendung aus, kann Therapiepläne erstellen und Nachrichten an die Patient*innen versenden. Im Anschluss an die stationäre Rehabilitation war es bislang so, dass Patient*innen, die zum Beispiel aus Zeitgründen nicht an einer normalen Nachsorge in der Klinik teilnehmen konnten, ihre Nachsorge in Form von Teletherapie zuhause durchführen durften. Hierzu erstellt das jeweilige Therapieteam einen Nachsorgeplan, bestehend aus Wissensinhalten, Entspannung, Übungen und Ernährungsberatung in Form von Videos. Diesen kann der Patient oder die Patientin dann zuhause oder unterwegs durchführen, wann immer es ihm passt.

Bislang galt in Bezug auf die Rehabilitation der Grundsatz „klassisch vor digital“. Doch in Tagen wie diesen müssen besondere Maßnahmen ergriffen werden und so tragen am Montag dieser Woche verschiedene Klinikgruppen an die deutsche Rentenversicherung heran und baten darum, alle face-to-face Therapien durch Teletherapie ersetzen zu dürfen. Die deutsche Rentenversicherung stimmte zu.

„Wir wollen es jetzt allen Kliniken – Bestands- und Neukunden – ermöglichen, ihre Patient*innen weiter zu betreuen“ erklärt Max Michels, Gründer und Geschäftsführer. Anfang letzter Woche haben wir eine Taskforce gegründet, die jetzt dafür sorgt, dass viele tausend Patient*innen ab sofort auf Teletherapie umsteigen können. Hierzu werden täglich neue Klinikaccounts erstellt, über welche die jeweiligen Therapieteams dann mit ihren Patient*innen kommunizieren können. In Webinaren wird Therapeut*innen erklärt, wie man Therapiepläne erstellt und was bei der teletherapeutischen Betreuung zu beachten ist.

Außerdem arbeiten unsere Therapeutinnen daran, täglich hunderte von Patientenaccounts mit Therapieplänen zu versorgen, welche dann von den Therapieteams individuell für jeden Patient und jede Patientin angepasst werden können. Bis es zu dieser individuellen Anpassung kommt, wird es möglicherweise noch etwas dauern, doch bis dahin haben alle Patient*innen schon einmal Pläne mit einfachen Übungen und Lehrinhalten, mithilfe derer sie aktiv bleiben und weiterhin an ihrer Genesung arbeiten können.

Intern sind wir auf die Corona-Krise und den anfallenden Mehraufwand ebenfalls – wie viele andere Unternehmen auch aus unserer Branche auch – gut vorbereitet, da zum Glück schon alles für das Arbeiten im Homeoffice eingerichtet war. Meetings über das Internet sind für uns nichts Neues und die Kommunikation, sowie das Arbeiten über das Internet läuft reibungslos. Aber wenn die Patient*innen in der Reha ausbleiben, wird auch die Tele-Nachsorge weniger genutzt:

Wir rechnen also schon mit Umsatzeinbrüchen. Aber jetzt wir sind erst einmal froh, in dieser Situation irgendwie helfen zu können, beschreibt mir Max Waldenfels, Co-Founder und Managing Director. Damit wir selbst gesund bleiben, hat eine unserer Kolleginnen übrigens einen Trainingsplan erstellt. Er dauert pro Tag etwa 20 Minuten und besteht aus Übungen, die wir mithilfe der App und ohne zusätzliches Equipment durchführen können.

So können wir uns auch trotz der Ausgangssperre fit halten – und das gleiche wollen wir für unsere Patient*innen. Damit Sie nicht nur kurzfristig von ihrer Tortur erlöst wurden, sondern langfristig gesund werden und bleiben können. In Zeiten von Corona und danach.

467 mal gelesen