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CoWorking Spaces. Ein Modell differenziert sich

CoWorking Spaces haben als „dritter Ort“ zwischen dem Home Office und dem traditionellen Büro auch in Deutschland einen Siegeszug angetreten.

Die Geburtsstunde von CoWorking: Der Kampf gegen den Klimawandel

Dabei waren zunächst die ersten internationalen Vorläufer gescheitert. Im Jahre 2009 war der Technologiekonzern Cisco einer der ersten Player. Die sogenannten Smart Work Center, die in den niederländischen Städten Almere und Amsterdam eingerichtet wurden, betonten vor allem den Vorteil, dass viele Startups hier teure Infrastruktur wie die hochauflösende Videokonferenztechnologie Telepresence  kostengünstig nutzen und dadurch auch audiovisuell in bester Qualität collaborativ arbeiten konnten.

Neben einem zusätzlichen Absatzmarkt für diese Technologie verfolgte Cisco noch gesellschaftspolitisch relevanten Zweck. 2007 hatte der damalige US-Präsident Bill Clinton die Clinton Global Initiative ins Leben gerufen. Zahlreiche internationale und nationale Firmen verpflichteten sich, den Kampf gegen den CO2 Ausstoß und die zunehmende Erderwärmung aufzunehmen. Ciscos Beitrag waren Smart Work Center. Sie sollten mithelfen, den Pendelverkehr in die Innenstädte zu reduzieren, weil diese Smart Work Center am Rande der Stadt angesiedelt werden sollten. Diese sollten zudem idealerweise noch gut mit dem ÖPNV zu erreichen sein. Zusätzlich waren in diesen Smart Work Center Dienstleistungsangebote wie Kinderbetreuung etc. vorgesehen.

Im Rückblick stellte 2017 Bas Boorsma, der Promotor der ersten niederländischen Smart Work Center fest, dass sie zu früh entwickelt wurden und ihnen ein tragfähiges Geschäftsmodell fehlte[1].

Nach fast 10 Jahren hat sich das Bild vollständig gewandelt. In Deutschland gibt es derzeit ungefähr 500 CoWorking Spaces[2]. Hauptsächlich sind sie in Großstädten angesiedelt. Doch auch in ländlichen Regionen gibt es mittlerweile interessante Ansätze, die CoWorking Idee umzusetzen.

CoWorking ermöglicht auch Leben und Arbeiten auf dem Lande

Während die meisten CoWorking Spaces noch immer in Großstädten entstehen, hat sich nunmehr ein neuer Trend herausgebildet. Verstärkt werden – auch durch die Politik – die Bemühungen, CoWorking Spaces auch in den ländlichen Regionen anzubieten. In Schleswig-Holstein wurde beispielsweise im Rahmen der Umsetzung der Digitalstrategie Schleswig-Holstein durch die Heinrich-Böll-Stiftung das Projekt Cowork Land gestartet. Seit Mitte August 2018 zieht ein mobiler CoWorking Space für sechs Monate durch schleswig-holsteinische Städte und ländliche Regionen und bietet das Arbeiten in einem CoWorking Space zum Ausprobieren an.

Darüber hinaus sollte ein weiteres Projekt besondere Aufmerksamkeit erfahren. Hier werden unter dem Label „workation“ Kreativurlaubansätze mit Co-Working Ideen verbunden. Im brandenburgischen Bad Belzig wurde mit dem Projekt Coconat die Möglichkeit für entspanntes kreatives Arbeiten in einer herrlichen Landschaft geschaffen. Zusätzlich können die Gäste in Zimmern oder in Campingzelten übernachten. Es hat sich schnell gezeigt, das workation Ansätze ein interessantes Modell für neue Wertschöpfung in aufgegebenen Hotels oder Gutshäusern im ländlichen Raum sein können.

CoWorking gibt es in verschiedenen Ausprägungen

Holzschnittartig kann man drei Arten von CoWorking-Modellen unterscheiden.

Modell 1: CoWorking Light:

Im CoWorking Light Modell wird lediglich ein leerstehendes Ladenlokal oder ein schickes Loft angemietet und mit Schreibtischen, Lampen, eine Kaffeemaschine sowie hochwertiger vernetzter Informations- und Kommunikationsinfrastruktur ausgestattet. Es ist dann lediglich ein dritter Ort, den interessierte Freiberufler oder Start-Ups kostengünstig zum Arbeiten nutzen können, ohne von den Restriktionen des Home Office betroffen zu sein.

Selbst die Deutsche Bahn hatte vor einigen Wochen probeweise inmitten der Laufflächen des Berliner Hauptbahnhofs einen derartigen CoWorking Space eingerichtet.

CoWorking Light am HBF Berlin
CoWorking Light am HBF Berlin
Modell 2: CoWorking Plus:

Das CoWorking Plus Modell bietet für alle Nutzer zunächst die Infrastruktur, die im Co-Working Light Model beschrieben wurde und weist darüber hinaus noch mehr offene Arbeitsflächen, Kreativräume und Räume für stilleres Arbeiten auf. Außerdem – und das ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal, sind die Nutzerinnen und Nutzer Teil einer Community, in der Kreativarbeiter sich ständig austauschen, über ihre Projekte informieren, neue Ideen entwickeln oder bestehende Ansätze aus anderen Perspektiven beurteilen lernen. Hier hat sich inzwischen ein Marktangebot entwickelt, das von international tätigen Unternehmen wie „wework“ oder „mindspace“ dominiert wird. Ähnlich wie bei McDonalds können Nutzerinnen und Nutzer sicher sein, ein hochwertiges standardisiertes Angebot auf der ganzen Welt vorfinden zu können.

CoWorkingPlus
CoWorkingPlus

Darüber werden in diesem CoWorking Plus Modell vereinzelt bereits Dienstleistungen wie Kinderbetreuung (z.B. Coworking Toddler) oder Reinigungsdienste angedockt.

Modell 3: CoWorking Deluxe

Dieses Modell wird beispielsweise in Berlin durch die Factory Berlin repräsentiert. Hier gibt es nicht nur vernetzte Arbeitsplätze und -räume, sondern auch eine sehr umfangreiche Community, die sich herausgebildet hat. Regelmäßig treten hier Unternehmensgründer/innen auf und geben ihre Erfahrungen weiter. Zahlreiche Workshops ergänzen das Programm. Allerdings kann nicht jedermann dieses CoWorking Center nutzen. Vielmehr muss man sich um den „Schreibtisch“ und damit die Zugehörigkeit bewerben. Bereits bei der Anmeldung analysiert die Factory, ob der Bewerber in das Schema hineinpasst. Wörtlich heisst es auf der Website: „We carefully go through each application to ensure that individuals are the right fit for our community, and will let you know if your application has been successful. You may be asked to join us for a personal meeting with a member of our team, which will require you to be in Berlin.“[3]

Hilfreich ist es natürlich auch, durch einen Ambassador empfohlen worden zu sein. Ist man einmal als Mitglied akzeptiert worden, stehen einem nicht nur Arbeitsräume, sondern mehr als 300 Workshops und ein cooler Space sowie ein umfangreicher Erfahrungsaustausch mit namhaften Firmen wie N26, Soundcloud oder die digitalen Ausgründungen von Firmen wie Siemens, BASF und anderen zur Verfügung.

Fazit:

Bei Co-Working Spaces gibt es längst nicht mehr das „one size fits all Modell“. Vielmehr haben sich für die Zukunft der Arbeit zahlreiche Formen der Co-Working Angebote herausgebildet. Es wird spannend sein, zu beobachten, wie sich die Idee des dritten Ortes auch im ländlichen Bereich behaupten kann. Ansätze für neue Wertschöpfung im CoWorking Space gehören auf jede Digitale Agenda.

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[1] Bas Boorsma, A New Digital Deal, 2017, S. 85
[2] https://www.immobilienmanager.de/studie-mehr-als-500-coworking-spaces-in-deutschland/150/59433/
[3] https://members.factoryberlin.com/apply

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Willi Kaczorowski E-Mail: Nachricht schreiben Facebook Twitter Website: wkaczorowski.de Profil

Willi Kaczorowski ist seit 2013 freiberuflicher Strategieberater für Politik und Verwaltung. Er ist Verfasser zahlreicher Buch- und Zeitschriftenartikel und Herausgeber des Podcasts „Smart City Talk“.

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