In Zeiten von Corona wird das HomeOffice eine Alternative. Aber muss es erst zu einer Pandemie kommen? Zu viele Vorteile liegen für alle Beteiligten auf der Hand, hinzu kommen ökologische Faktoren. Um die Mitarbeiter im HomeOffice erfolgreich arbeiten zu lassen, benötigt es einige Rahmenbedingungen.

Infrastruktur muss stehen

Eine nicht zu unterschätzende Nebenbedingung, um Mitarbeiter im HomeOffice arbeiten zu lassen: Die technische Infrastruktur. Dazu gehören die Hardware, die Software (vor allem unternehmensseitig), und der Umgang damit. Bei der Hardware, die den Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden sollten die Belange der Mitarbeiter berücksichtigt werden: Wenn einer einen Mac, einen Lenovo oder etwas komplett anderes präferiert: Gönnen Sie dem Mitarbeiter seine Präferenzen. Es ist ein Teil, dass er sich auch wohl fühlt.

Rahmenbedingungen schaffen

Aber unter Rahmenbedingungen meine ich nicht die technische Infrastruktur. Diese ist ehr eine zwingende Nebenbedingung. Tatsächlich geht es um einen wesentlichen Hygienefaktor, der in vielen Organisationsstrukturen leider verloren gegangen ist: Vertrauen. Vertrauen Sie den Mitarbeitern, Aufgaben selbstständig zu erledigen. Das Problem, was viele im HomeOffice tatsächlich berührt, ist das allgegenwärtige Micromanagement. So werden Führungskräfte darauf konditioniert, alle möglichen Statistiken zu führen und für alle Zahlen sprechfähig zu sein.

Am Besten die Mitarbeiter fragen: Was sind die unproduktivsten Tätigkeiten, die sie regelmäßig ausführen? Hier wird es sicherlich Ansätze finden lassen, wie man einige davon eindämmt.

Das Problem des Micromanagement muss allerdings „von oben“ vorgelebt werden: Wer von seinen Senior Management immer und an jeder Stelle Auskunftsfähigkeit verlangt, konditioniert seine Struktur nach unten. Eine Führungskraft muss nicht bei jedem Lenkungsausschuss alles wissen. Er muss die Zahlen beschaffen können.

Ein Ansatz, den Mitarbeitern mehr Freiheiten einzuräumen, ist, das Statistikwesen aufzuräumen: Welche Zahlen sind unabdingbar, aber was ist verzichtbar oder nur bei Bedarf erstellbar? In einigen Organisationsstrukturen wird vorrangig statistikgetrieben gearbeitet. So ist die Zielsetzung dann, nicht verhaltensauffällig zu werden und alle Führungsebenen warten gebannt auf die Statistiken. Die eigentlichen Ergebnisse wandern dadurch in das Hintertreffen.

Hierbei kann auch das Nachdenken über agiles Arbeiten oder New Work ein guter Ansatz sein. Man muss nicht alles umbauen und den Scrum Masterplan der Evangelisten verfolgen: Es reicht die Abkehr vom Wasserfall Prinzip, hin zu kleinen, aber realistischen Ergebnissen, die in kurzen Zeiträumen erreichbar sind. Hier einfach mal ausprobieren und machen. Vieles wird nicht etablierbar sein oder schlichtweg nicht funktionieren. Aber eine Negation neuer Strukturen und Weg führt zwangsweise zu stillstand. Dann lieber experimentieren und kleine Erfolge feiern.

Vertrauen ist das Epizentrum für erfolgreiche Zusammenarbeit

Das Thema Vertrauen hat für eine modere Organisationsstruktur eine elementare Bedeutung. Symptomatisch sind Führungskräfte, die reagieren mit Fragen, auf die sie eine digitale Antwort wie Ja oder Nein erwarten, und dem Mitarbeiter gar keine Zeit für „es kommt darauf an“ lassen.

Eine weitere Rahmenbedingung ist, solchen, gern toxisch genannten, Führungskräften, den Führungsauftrag in Frage zu stellen. Wenn man seine Organisationsstruktur umbauen möchte, ist diese Frage allerdings nicht leicht zu beantworten.

Lasst Eure Mitarbeiter nicht allein

Ein Rat, der in der Corona Krise elementar ist, jedoch durchaus Allgemeingültigkeit hat: Lasst Eure Mitarbeiter nicht allein. Ruft mal anlassunbezogen an und haltet dienstliche Sachen bewusst aus dem Gespräch. Viele (allerdings nicht alle) Mitarbeiter wissen so ein Gespräch zu schätzen und kommen innerhalb weniger Minuten aus sich raus, berichten von Ängsten, Nöte, Sorgen, aber auch schöne Sachen, oftmals aus dem familiären Umfeld. I

Das Gute: Diese Menschlichkeit ist auch ohne Umkrempeln der Organisationsstruktur möglich, kleine Gesten, die zu einer höheren Mitarbeiterbindung führen.

Dabei kann man auch mit unkonventionellen Mitteln arbeiten: Beispiel Corona Krise. Uns ist es gelungen, alle im HomeOffice arbeiten zu lassen. Aber für die Mitarbeiter ist die Absenkung der physischen Kontakte auf 0 zum Teil eine Herausforderung. Ich denke da vorrangig an die Alleinstehenden, die hier Unterstützung benötigen. Ich habe allen Mitarbeitern ein „Care Paket“ zukommen lassen, mit extra beschafften Klopapier, Desinfektionsmitteln, Latexhandschuhen, Nudeln und, das war mir wichtig, etwas Persönlichem, so fern ich was wusste. Mit handgeschriebener Karte.

Viel kann man hier von Christiane Brandes-Visbeck lernen, die ihre Gedanken zusammen mit Ines Gensinger in dem Buch „Netzwerk schlägt Hierarchie“ zusammengefasst haben: Weg von starren Hierarchien, hin zu elastischen Netzwerken. Aber auch hierzu gehört: Loslassen vom Micromanagment hin zu mehr Vertrauen. Viele Mitarbeiter möchten durchaus selbständig was leisten und Ergebnisse, nicht nur Teilstücke präsentieren.

Eine moderne Führungskraft arbeitet hier mit Vertrauensvorschuss und Kompetenzvermutung: Die Führungskraft sollte erst darauf vertrauen, dass sein Mitarbeiter Aufgaben selbständig erledigt.

Das funktioniert aber nur bidrektional: Auch muss der Mitarbeiter so weit Vertrauen zu seiner Führungskraft haben, dass er bei Störungen selbständig die Hilfe sucht und über diese berichtet. Dieses kann nur funktionieren, wenn die Mitarbeiter frei von Angst vor Sanktionen sind. Es gibt in jedem Bereich, jedem Team oder jeder Abteilung High– und Lowperformer. Die Kunst ist es, alle als Individuen zu akzeptieren und das Gesamtergebnis, unabhängig des Einzelnen, im Blick zu behalten. Niemand entgeht der Normalverteilung und wenn man verschiedene Personen zu einer Aufgabe zusammenfasst, wird es immer Abweichungen geben.

Und noch ein Hinweis: Oft ist die Vertrauensarbeitszeit im Homeoffice zum Nachteil des Mitarbeiters, da diese Aufgaben unbedingt beenden wollen. Das Arbeitszeitschutzgesetz hat auch im HomeOffice Geltung. Achtet auf Eure Mitarbeiter!

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